Dienstag, 16. März 2010

Strelitz und: Die Korrektur der Sicht-Waisen

"Die Korrektur / der Sicht-Waisen
dafür will ich reisen / um die ganze Welt.
Ein Rendezvous / auf ausgefahrenen Gleisen,
mit getürkten Beweisen / und viel Schweigegeld.

Sagt mir nicht, dass ich es nicht schaffen kann, für diesen Job bin ich der richtige Mann.
Viele haben es versucht und haben's nicht geschafft,
das waren schlaffe Propheten ohne jede Kraft.

Die Korrektur / der Sicht-Waisen
dafür will ich reisen / um die ganze Welt.
Eine Kreuzfahrt / oder viele Jungfernreisen,
mit Kindern und mit Greisen / ganz wie es Euch gefällt.

Sie sind stumm, sie sind taub,
aus ihren Mündern kommt nur Staub,
wenn sie vorgeben zu verstehen.
'Ich bin Tarzan und Ihr ein Versehen.'
Sie zeigten mir wie die Welt funktioniert.
warum hab ich's wohl niemals kapiert?
Sie können laufen aber können nicht sehen
wie sie aufrecht zugrunde gehen.

Die Korrektur / der Sicht-Waisen
dafür will ich reisen / um die ganze Welt.
Ein Rendezvous / auf ausgefahrenen Gleisen,
mit getürkten Beweisen / und viel Schweigegeld.

Sagt mir nicht, dass ich es nicht schaffen kann, Ich bin dafür der genau richtige Mann.
Viele haben es versucht und haben's nicht geschafft,
das waren schlaffe Propheten ohne jede Kraft.

Für die Korrektur / der Sicht-Waisen
will ich reisen / um die ganze Welt.
Ein Deja-Vu / mit den weißen Ameisen,
den lauten und den leisen / Herrschern unsrer Welt."

Strelitz geht: Zurück ins Glied

"Ich habe viel zu viel gewollt,
bin freudentaumelnd rumgetollt.
Ich war stets der eifrigste Kreuzverhörer
und habe nur mir den Tribut gezollt.

Die besten Absichten korrumpiert,
die eignen Prinzipien irre geführt.
Ich wurde allmählich zum Mordverschwörer
und habe nur mich dabei anvisiert.

Von Anbeginn hast Du es kommen gesehen,
hast mich gewarnt - doch ich lies es geschehen.
So wurde ich auch noch zum Lebenszerstörer
und lies dann die Fahne auf Halbmast wehen.

Doch Du hast es versäumt mich dafür zu hassen,
hast mir Deine Tür stets offen gelassen.
Denn Du wusstest: Ich bin ein ZUDIRGEHÖRER -
ich kann das erst jetzt so richtig fassen.

Jetzt weiss ich: Dich werd' ich nie wieder verlassen."

Strelitz ist: Beruhigend

Letzten Endes, sagt Strelitz, kann man allen Leuten alles erklären.

Strelitz und der: Orgasmus bei Lesen

Hin und wieder geht Strelitz in seiner DVD-Thek und wundert sich, dass die Videotheken langsam aussterben. Strelitz wundert sich aber auch, was die Menschen sich so alles an Filmen ausleihen. Siehe, Klischees bestätigen sich, sagt Strelitz zu sich selbst. Männer leihen sich am liebsten harte Actionfilme aus, während Frauen eher auf Schokolade zum Frühstück stehen. Mit oder ohne Hugh Grant. Da gibt es übrigens schon verschiedene Fraktionen von Frauen. Die reichen von den Fans von Sean Connery und Johnny Depp über Brad Pitt... (entschuldigen Sie - auf Wunsch verschiedener Damen hat Strelitz festgelegt, man solle diesen Namen bitte korrekt aussprechen: Braad Pidd.....mmmmmh) ...bis hin zu Tom Cruise, Bruce Willis und -die Wählerinnen und Wählerinnen in Kaliforniens haben es allen gezeigt- Arnold Schwarzenegger.

Frauen sind da sehr viel mehr traumfixiert. Augen zu und durchdacht. Kostet ja nichts, was immer man will und merken tut es auch niemand. Gegessen wird dann zuhause. Obwohl: meist soll das zwar Fast-Food sein. Wobei wir wieder bei Wild Johnny Depp wären und 'Chocolat' und den 5-Gänge-Menus und Frankreich und ... genug jetzt.

In Strelitzens DVD-Thek gibt es zudem einen Ort, zu dem fast nur Männer gehen. Dort gibt es Fortbildungsfilme. Pornos. Nicht, dass er selbst schon jemals so einen Film ausgeliehen hätte. Und gesehen hat Strelitz die auch nur vom Hörensagen her. Aber es gibt da doch so manches, was einem keine Ruhe mehr lässt. Gut ... dass ältere Damen und Herren auch noch ein Sexualleben haben, das wusste Strelitz schon aus Büchern. Vorstellen konnte man es sich bisher allerdings noch nicht so richtig. Schließlich sind unsere Großeltern doch Halbgötter in grau-weiß. Meliert. Ohne Fehl und Tadel. Und mit Eintritt in das Rentenalter lassen sie alles etwas ruhiger angehen. Wohlverdienter Ruhestand. Natürlich auch beim Sex. Gerade wegen des Herzens. Ja, und nun muss Strelitz also sehen... Entschuldigung! ...hören, dass alles ganz anders ist. Die Omis und Opis feiern fidele Kaffeekränzchen, lassen sich von Krankenhauspflegern und Schwestern so richtig verwöhnen, halten Asylbewerbern aus Afrika die Stange und genießen ihr Leben mit 69, was nicht unbedingt auf das Alter zu beziehen ist.

Aber unsere Gesellschaft besteht ja nicht nur aus unseren Senioren sondern auch aus deren Kontrapunkten, den Schulkindern, sagt Strelitz. Kaum die erste Stunde Sexualkunde absolviert - der beginnt laut Gesetz übrigens für Darstellerinnen in diesen Filmen erst mit 18 Jahren -, da wird schon dem gesamten Lehrkörper der Kopf verdreht und noch ganz andere Körperteile. Außerdem scheint allen per Schulgesetz das Austreten während des Unterrichts strengstens verboten worden zu sein. Allerdings nur während des Unterrichts. Nicht während des Filmens, sagt Strelitz, das habe man ihn versichert.

Aber Strelitz muss zugeben: Das Hörensagen hatte sein wissenschaftliches Interesse geweckt. Und so hat er sich vor kurzem seinen ersten Fortbildungsfilm selbst ausgeliehen. Mit einem etwas peinlichen Gefühl stand er am Counter und wartete darauf, dass ihm die Dame hinter dem Tresen den Film mit den Worten: "Einmal 'Massenorgien', der Herr, bitte" überreicht. Aber weit gefehlt. Sie war super nett und diskret und sagte zum Abschied noch ganz süß "Tschüüsss" obwohl sie sich doch gar nicht kannten.

Und noch etwas hatte Strelitzens wissenschaftliches Interesse geweckt. Es ist eine Sache, die ihm seit der letzten Buchmesse im Kopf herum geht. Da wurde für ein TV-Magazin eine weibliche Person interviewt, die an eine Mischung aus Barbie und einen misslungenen Forschungsprojekt der US-Army erinnerte. Und die sagte auf die Frage, ob sie gerne Bücher lese live in die Kameras: „Sowieso. Und oft bekomme ich auch einen Orgasmus beim Lesen.“

Strelitz schwört: Einen Algorithmus habe er schon oft beim Lesen gehabt, er habe auch schon mit mehreren Büchern gleichzeitig im Bett gelegen. Und das mit dem Orgasmus werde er, sagt Strelitz, auch noch herausfinden. Manchmal könne einen im Leben, sagt er, eben nur noch ein Blick in Daniel Küblböcks Memoiren retten.

Strelitz ist: Beunruhigend

"Was würdest Du sagen,
wenn alles Bisherige
lediglich
ein Vorspiel war?"


Nachtrag: Nachdem Strelitz diesen Text geschrieben hatte, erreichte ihn kurz vor Weihnachten 2003 folgende E-Mail ...

Received from: mail.gmx.net (pop.gmx.net [213.165.64.20])
by rly-xm01.mx.aol.com (v97.10) with ESMTP id MAILRELAYINXM16-5ec3fe5fa9449
Date: Sun, 21 Dec 2003 14:55:00 -0500
Received: (qmail 29138 invoked by uid 65534); 21 Dec 2003 19:54:54 -0000
Received: from p5087D543.dip.t-dialin.net (EHLO P4I5H) (80.135.213.67)
by mail.gmx.net (mp015) with SMTP; 21 Dec 2003 20:54:54 +0100
X-Authenticated: #21237736

From: GiselaKunze@gmx.de
To: All_infoX@aol.com
Subject: you are an idiot
Importance: Normal
X-Mailer: Microsoft Outlook Express 4.72.3612.1700
X-MSMail-Priority: Normal
X-Priority: 3 (Normal)
MIME-Version: 1.0
Content-Type: multipart/mixed; boundary="P4I5H7ed4bf3cbc079.836d030"

Strelitz begleitet HRK 2003: (6) Ein Akt sozialer Hygiene

05. Juli 2003: Der WuKi-Notruf hatteStrelitz am 25. Juni 2003 kurz nach 13 Uhr erreicht. "Strelitz", sprach eine ihm bekannte Dame am Telefon, "es ist noch nicht vorbei. Gehe am 5. Juli nach Frankfurt am Main und berichte!" Dann legte sie auf und wie in 'C.O.B.R.A. - übernehmen sie' vernichtete sich Strelitzs Telefonapparat von selbst. Soll ich wirklich ein siebentes Konzert der 'Rückenwind'-Tour besuchen, fragte er sich. Aber solcherlei Gedanken waren müßig - Auftrag war schließlich Auftrag. Und nicht umsonst hatte er wegen solcher Anrufe vier neue Telefonapparate im Schrank.

Als erstes fütterte Strelitz seinen Bordcomputer mit den Daten des Abends: 19 Uhr 15 - ROLF STAHLHOFEN / 20 Uhr 05 - KIM SANDERS / 20 Uhr 50 - LEA FINN / 21 Uhr 30 - YVONNE CATTERFELD / 22 Uhr 05 - HEINZ RUDOLF KUNZE + VERSTÄRKUNG / 22 Uhr 45 - DANIEL LOPES / 23 Uhr 30 - KOOL AND THE GANG / 0 Uhr 50 Uhr – B3 / 1 Uhr 30 - RODGAU MONOTONES / 2 Uhr 20 – CAMOUFLAGE / 03 Uhr 40 - BROOKLYN BOUNCE.

Nach einer knappen viertel Stunde hatte Bordcomputer "Mäksimilien" die erste Hochrechnung parat. "Analyse: Es gibt drei Acts, die mehr Bühnenzeit haben als HRK. Es sind: KOOL AND THE GANG, CAMOUFLAGE und die RODGAU MONOTONES. Heinz + Band haben genau so viel Zeit zum Spielen wie ROLF STAHLHOFEN, KIM SANDERS, LEA FINN, YVONNE CATTERFELD, DANIE LOPES und B3. +++++ Ich werde drei Playlists vorschlagen, denn 40 Minuten Programm sind ja noch nicht mal eine Stunde (oder in Prozent ausgedrückt: genau 25 % der 'Rückenwind-Tour'). Außerdem dürften Umbaupausen abgehen." - Wie immer waren Mäksimiliens Analysen absolut authentisch; autistisch ohnehin. Es dauerte noch nicht einmal fünf Minuten und Mäksimilien lieferte Strelitz die Playlists.

"Ich schlage folgendes vor: # 1 / Die 'DanielLopez&YvonneCatterfeld'-Playlist +++++ 1) Himmelfahrtskommando 2) Da müssen wir durch 3) Mach auf 4) Rückenwind 5) Es ist nicht wie Du denkst 6) Schön und gut 7) Aller Herren Länder V.2003 8) Wozu Feinde 9) Dabei sein ist alles 10) Dein ist mein ganzes Herz. +++++ # 2 / Die 'Ich habs versucht'-Playlist +++++ 1) Der Schlaf der Vernunft 2) Manchmal 3) Balkonfrühstück am Pfingstmontag 4) Noch hab ich mich an nichts gewöhnt 5) Folgen Sie mir weiter 6) Meine eigenen Wege 7) Alles was sie will 8) Ich glaub es geht los 9) Alles gelogen 10) Ich hab's versucht +++++ PL # 3 / Die 'LeckMich'-Playlist +++++ 1) Hereinspaziert 2) Die Entbeleidigung der Stammtische 3) In der Sprache, die sie verstehn 4) Leck Mich (ultralange Rhythm'n'Blues-Version) 5) Ich hasse Dich 6) Ekelhaft 7) Man kann doch zu sich stehen, wie man will V.2003. +++++ Ich habe ermittelt, dass Playlist # 3 am rundesten laufen würde. Jeder Song passt musikalisch zum anderen. Der Sprechtext ist an der richtigen Stelle platziert. Eine fast ideale Kombination für einen 40 Minuten Live- Event als ein Akt sozialer Hygiene."

"Wir werden sehen..." schrieb Strelitz an Mäksimilien und dann ins WuKi-Forum.

Am 5. Juli fuhr Strelitz kurz nach sechs Uhr morgens los, wie immer bei solchen Anlässen natürlich mit den gecoverten Schuhen. Um 8 Uhr 30 war er in Frankfurt am Main angekommen und zwanzig Minuten später hatte er sein Auto im Parkhaus an der Konstabler Wache abgestellt. Nachdem er sich vergewissert hatte, wo sich die Bühne befand ging er um 9 Uhr zu 'Burger King' an der Neuen Kräme und frühstückte. Unfassbar, was er vor der Bühne gesehen hatte: Hunderte von Superstar-Fans hatten dort die Nacht in Schlafsäcken verbracht und Spruchbänder aufgespannt mit Texten wie: "Daniel - Ich will ein Kind von Dir" und "Yvonne - Darf ich Dich schwängern (Ich war auch schon 'mal bei BIG BROTHER)". In Strelitzs Kopf setzten sich Bilder zusammen, von dem, was sich hier in knapp 12 Stunden abspielen würde: Kreischende Teenies, die Yvonne C. gar nicht mehr von der Bühne lassen wollen. Dann Opa Heinz. Plötzlich, mitten im Auftritt, fangen die Teenies wieder an zu kreischen, weil irgend jemand das Gerücht gestreut hat, er habe Daniel Lopes schon gesehen. Obwohl Heinz mit Zeitverzögerung anzufangen hatte werden alle 'D-Lo'-Fans darauf drängen, dass ihr Star pünktlich anfängt. - Nahezu ideale Bedingungen für einen unvergesslichen Auftritt von HRK+Verstärkung. Und Strelitz durfte alles live miterleben.

Am Abend war Strelitz nicht mehr ganz allein auf sich gestellt. Jetzt war er einer unter fast 70.000 Fans vor der Hauptbühne und das waren mehr als doppelt so viele Besucher als auf der gesamten 'Rückenwind'-Tour. Yvonne Catterfeld hatte bereits gegen 20 Uhr 40 nach vier Playback-Übungen den Fans Adieu gesagt und nun warteten alle auf Heinz. Der saß derweil hinter der Bühne und fragte sich, was um alles in der Welt er 40 Minuten lang zwischen zwei Superstars verloren hatte. Damals 2000, im Osten, auf der 'Parkbühne Wuhlheide', als er nach Nena und vor PUR eine Stunde lang auftrat, war es ja noch fast ein Heimspiel gewesen. Die musikalische Beziehung zwischen Nena, ihm und PUR war die Rockmusik gewesen und: Es hatte funktioniert. Genau zur gleichen Zeit, damals, war Frau Catterfeld zur 'Stimme 2000' gewählt worden und startete kurz danach ihre Karriere bei "GZSZ". Und D-Lo hatte sich damals dazu entschieden, seine Zahnspange gegen ein Latino-Grinsen einzutauschen. Das waren noch Zeiten und Heinz stand noch für Rebelleganz, rhetori-schelmische Einlagen und Rock’n’Roll. Heute Abend aber ging es um sein künstlerisches Über-Leben.

Es war 20 Uhr 07 als Strelitz auf seine Uhr sah und Heinz + Verstärkung mit dem Himmelfahrtskommando für Gefühle und Verstand begannen. Der Sound beim Sound of Frankfurt war mies und sollte sich auch während der folgenden 36 Minuten nicht mehr verbessern. Obwohl Heinz den Fans zurief "Da müssen wir durch", war an ein Ankämpfen nicht zu denken. Jemand hatte die Gitarren in die hinterste Ecke gestellt und die Mikros der Verstärkung komplett gestohlen. Von Funkenverkehr nicht der blasseste Schimmer. Ach, dachte Heinz, deshalb singen die anderen Playback. Strelitz konnte live miterleben, wie sich die Freunde langsam entfernten. Willi, einer der ältesten HRK-Fans, die neben Strelitz standen, brachte es auf einen Satz: "Heinz reißt heute nichts mehr."

Doch Heinz wäre kein Profi gewesen, wenn er es nicht noch ein weiteres Mal versucht hätte. "Schönen guten Abend..." sagte er und suchte nach den richtigen Worten. Aus seinem Mund kam "...mach auf Frankfurt - mach auf!". Diesmal spürte er, was das hieß: "Ich fühle Dich beinah". Aber das Publikum versagte ihm die Loyalität. Schweißperlen auf der Stirn. Nein, dieses Publikum hatte es nicht verdient, zu erfahren, dass ein neues HRK-LiveAlbum folgen sollte. Und es hatte sich zudem noch nicht einmal die erste Anzahlung der Ironie von "Schön und gut" erworben. "Kannst Du mir noch folgen..." spach Heinz und neben Strelitz fanden sich wenigstens noch Einige, die "Meine eigenen Wege" mitsingen konnten. Hier bestand noch etwas Hoffnung, dass sie "Mabel" gut fanden. Am Ende des Liedes gab es mit Ulmers Keyboard-Solo den einzigen wirklichen Lichtblick des Konzerts.

Nachdem er die Band vorgestellt hatte setzte Heinz den Schlusspunkt mit "Dein ist mein ganzes Herz". Einmal davon abgesehen, dass man ihm ein unsägliches Roland- Keyboard aufgezwungen hatte (die Flügel hatte man allen anderen verliehen) funktionierte auch das Instrumental-Medley mit "Wenn Du nicht wiederkommst" nicht; aber wer von den Zuschauern hatte überhaupt verstanden, was Heinz mit "...und jetzt ihr.." meinte.

"Danke schön und viel Spaß noch: Tschüss!" sagte Heinz und das war’s dann auch gewesen: 36 Minuten HRK + Verstärkung zwischen Yvonne Catterfeld und Daniel Lopes. Nicht Einer für alle sondern Einer unter vielen. Und damit in der Tat ein unvergesslicher Auftritt von HRK+Verstärkung. Vor allem dank des Teleprompters, den Heinz in den 36 Minuten beinahe 365 Mal angeschaut hatte. - Was bleibt, am Ende der Zeit, war das Urteil, dass der Richter vergaß zu verkünden. Dafür übernahm es Mäksimilien:

"Ich stelle fest: Die 'DanielLopez&YvonneCatterfeld'-Playlist wurde fast erfüllt. Und: Heinz war als Sänger besser als Frau Catterfeld und Herr Lopes: Auch ein Akt sozialer Hygiene."

[R. I. P. Barry White]

Strelitz begleitet HRK 2003: (5) Der Merseburger Abend

14. Juni 2003: "Gelegen zwischen Leipzig, Halle, Jena ist die reichhaltige Bibliothek des Domcapitels zu Merseburg von Gelehrten oft besucht und genutzt worden. Alle sind an einem Codex vorübergegangen, der ihnen, falls sie ihn näher zur Hand nahmen, nur bekannte kirchliche Stücke zu gewähren schien, jetzt aber, nach seinem ganzen Inhalt gewürdigt, ein Kleinod bilden wird, welchem die berühmtesten Bibliotheken nichts an die Seite zu setzen haben." Strelitz kannte diese Einleitung von Jacob Grimm und wusste dass sie den von Georg Waitz bei einem Studienaufenthalt in Merseburg entdeckten zwei Zaubersprüchen aus dem 9. Jahrhundert galten. In den Sprüchen wurden Zauberformeln angewendet "...einige zerrten an den Fesseln, entspring den Haftbanden, entfahr den Feinden!". Oder man konnte sein Pferd mit ihnen heilen: "Da ward dem Fohlen Balders der Fuß verrenkt. Da besprachen ihn Sinthgunt und Sunna, da besprachen ihn Frija und Volla. Da besprach ihn Wodan, wie nur er es verstand: So Knochenrenke wie Blutrenke wie Gliedrenke: Bein zu Bein, Blut zu Blut, Glied zu Gliedern, als ob geleimt sie seien!" Eine Sensation in Deutschland zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Und Strelitz wusste dass sie -richtig angewandt- immer noch ihre Wirkung versahen.

In vier Stunden sollte Heinz Rudolf Kunze vor dem Merseburger Schloss am Domplatz auftreten, doch es regnete in Strömen. Strelitz war klar, dass er etwas unternehmen musste um nicht in Gefahr zu geraten, so zu enden, wie der Kammerdiener des Bischofs Thilo von Trodte, dem einstmals ein Ring abhanden kam und der deshalb seinen Kammerdiener hinrichten lies. Jahre später entdeckte ein Schieferdecker den Ring in eines Raben Nest auf dem Turm der Domkirche, weswegen der Bischof den Tod seines Dieners sehr bedauerte.

Strelitz hatte vorgesorgt und alles gut vorbereitet. Um 16 Uhr 16 stellte er sich (als kleiner Tribut an seinen Nachnamen) neben die Jesus-Plastik vor der Stadtkirche St. Maximi und begann den dritten, bisher noch unentdeckten, Merseburger Zauberspruch zu murmeln: "Regen, Regen, sollst dich regen und nicht stören das Konzert." Und es gelang. Bis zum Ende des Konzertes im Schlosshof fielen nur noch winzige Tröpfchen vom Himmel; alle konnten HRKs 'Rückenwind' erstmals unter freiem Himmel und ohne Regenguss erleben.

Thommy Schminke vom HitRadioBrocken ("Wir haben die letzten Tage so oft Heinz Rudolf Kunze gespielt, dass sich die Grönemeyer-Fans schon beschwert haben...") heizte den Zuschauern mit seinen 'Spielen zum Anfassen' so stark ein, das Kulturamtsleiter George sogar etwas ins Schwimmen kam und die Fans auf dem "...Schalosspalatz..." begrüßte. Um 20 Uhr 32 wurde dann schnell noch Heinz' Teleprompter montiert, den man im Eifer des Gefechtes vergessen hatte, und bereits 20 Uhr 33 konnte es losgehen.

Für den nominellen Drummer, der an diesem Abend bei seiner nominellen Band 'Rosenstolz' spielte, hatte Heinz direkt aus Monaco Prinz Albert einfliegen lassen, der unter dem Tarnnamen Martin Langer zeigte, dass man mit viel Üben zwar noch keinen Rock’n’Roll auf die Bühne bringt, dafür aber das Tourprogramm fast fehlerfrei nachspielen kann. Der Meister selbst hatte seine Haarpracht etwas gekürzt, wirkte bestens gelaunt -fast wie ein frisch verliebter Teenager- und brachte souverän seinen Auftritt über die Bühne. Bei 'Es ist nicht wie du denkst' und 'Schön und gut' überraschte er sich sogar selbst mit neuen Textvariationen und sprach Killroy dafür einen Dank aus. Nicht nur zu Strelitzs Überraschung widmete er Mölle- und Friedmann sein Lied 'Wozu Feinde' und lies diesmal 'Ich hasse Dich' zugunsten des neuen 'Dabei sein ist alles' aus. Um 22 Uhr 50 erschien Heinz dann mit neuem 'Little Richard'-Sakko auf der Bühne und beendete 23 Uhr 10 unter frenetischem Jubel seiner Fans seinen Auftritt im wohl schönsten Ambiente der gesamten 'Rückenwind'-Tour. Danach mischte sich Strelitz unter die Schar der Autogrammjäger und tatsächlich schrieb ihm Heinz eine kleine Widmung in seine kleine blaue Kladde: "HRKunze 14.6.2003".

Zum Dank stellte sich Strelitz kurz vor Ende des Tages vor den Burggraben und spielte Heinz zu ehren seinen Evergreen von den 'Kinks':

"Ich hab versucht so zu leben und zu denken
wie man das von mir verlangt.
Aber trotzdem seh‘ ich doch
wie die Dinge funktionieren
seh' wie die Welt erkrankt.

Ich mag den ganzen Trubel nicht mehr
die Politik und den Verkehr.
Ich will in den Dschungel
denn da komm ich her:
Ich bin ein Affe.

Ich bin ein A
bin ein A-F-F-E.
Ich bin ein Affe.
Manchmal King Kong
dann wieder Schimpanseh.
Ich bin ein Affe.
Ich muss alles anfassen
was ich seh',
ich lauf barfuss
durch den dicksten Schnee.
Tret' in jeden Fettnapf
wohin ich auch geh':
Ich bin ein Affe.
La la la la lalla laaa - lall lalla laa"


Und so endete Strelitzs Wegstreckenbegleitung der 'Rückenwind'-Tour mit einem Blick zurück in den Spiegel der Zeit.